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„Frühstück im Dunkeln“ mit Firmlingen

In der Firmvorbereitung wollen wir den Firmlingen Kirche vor Ort vorstellen mit ihren Grundvollzügen. Und Kirche heißt nicht nur Gottesdienst feiern, Gemeinschaft leben, Glauben kommunizieren, sondern auch: sozial engagiert sein für Menschen mit Handicap oder am Rand der Gesellschaft. Ein erster Schritt dazu ist, sich für den Alltag solcher Menschen zu interessieren. Etwa für blinde Menschen.

Der Mensch nimmt über 90% aller Eindrücke über die Augen wahr. Das Sehvermögen ist unser Hauptzugang zur Welt. Wir denken, reden und träumen in Bildern, sind unersättlich im Sehen – schön ist hauptsächlich, was zu sehen ist. Wir haben keine Vorstellung, wie es ist, blind zu sein. Blinde sehen anders. Blindsein heißt von Vielem ausgeschlossen zu sein. Es bedeutet auch, sein Leben an eine visuell ausgerichtete Gesellschaft anpassen zu müssen. Der Alltag bekommt eine andere Qualität. Nicht Sichtbares wird interessant und bildet die Grundlage des Begreifens: Die Oberfläche einer Tasse, der Geruch von Brot, Geräusche in der Umgebung, … Die Wahrnehmung wird bereichert. Mit unseren Firmlingen ließen wir uns auf das spannende Erlebnis „Frühstück im Dunkeln“ ein – ein Austausch zwischen unterschiedlichen Wahrnehmungs-Kulturen, ein Perspektivenwechsel ohne Belehrung. Ein blinder Menschen führte uns durchs Frühstück in einem stockdunklen Raum. Eine faszinierende Lernerfahrung, die die Sinne voll beanspruchte. Ein Frühstück, bei dem es nichts zu sehen gab, jedoch jede Menge zum Riechen, Schmecken, Hören und Tasten. Wir haben uns (fast) nicht bekleckert, und wenn haben wir es ohnehin nicht gesehen! Da wurde schon mal neben die Tasse geleert und neben die Semmel gestrichen. Ein intensives Frühstück, bei dem wir den Tee noch nie so schwarz getrunken haben. Im Anschluss hatten wir – ebenfalls im Dunkeln – die Möglichkeit zu einem Gespräch über den Alltag eines blinden Menschen.

 

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